
Jugendliche sind zu motivieren! Sogar morgens. Sogar zu einem geistlichen Tagesbeginn, den die MitarbeiterInnen der Jugendstelle anbieten. Nicht nur 2010 war das zu erleben. Zufällig stieß Jugendpflegerin Sarah Eggert auf einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1975 mit der Beschreibung des „6 Uhr 16 Montag-Morgentreff bei Obermaier“. Trotz gewandelter Zeiten vergleichbare Ideen! Wie ähnlich sind sich die Angebote, die unabhängig voneinander an der Jugendstelle Pasing entstanden?
Gleichzeitig ganz wenig und sehr viel liegt zwischen dem Montag-Morgentreff von 1975 um 6.16 Uhr in der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit und der Frühschicht im Herbst und Winter 2010 jeweils donnerstags um 6.30 Uhr in der Katholischen Jugendstelle im Dekanat Pasing.
So ging es vor 35 Jahren darum, sich einmal monatlich am Montagmorgen an Hand des Sonntagsevangeliums auf die Schulwoche vorzubereiten. „Manchmal glückt es, so ein Sonntagsevangelium werktagsgerecht zuzubereiten“, schrieb dazu Josef Obermaier, der 1975 als Jugendseelsorger in Pasing zuständig war. Heute steht dagegen ein guter Start in den Tag, ob in Schule, Ausbildung oder Studium bei den Frühschichten in der Jugendstelle Pasing im Vordergrund. „Ich starte besser in den Tag, wenn ich in der Früh mit Menschen singen und beten kann“ und „man ist danach nicht müde, sondern fitter, weil man etwas Schönes erlebt hat“, erklärt eine Teilnehmerin.
In einer Zeit, in der für Schüler, Auszubildende und Studenten oft ein Termin den nächsten jagt, ist der Morgen für einige doch ein guter Zeitpunkt kurz inne zu halten. Frühaufsteher gibt es immer! Wie viele Jugendliche und junge Erwachsene kommen zu einer Frühschicht? Fanden sich vor über 30 Jahren monatlich noch 15 bis 17 Jugendliche ein, sind es heute zumindest eine Handvoll junger Leute, die sich jeden Donnerstag auf eine anschauliche und lebensnah gestaltete Morgenandacht einlassen.
Atmosphärisch sieht es heute bei den Frühschichten der Jugendstelle Pasing im kjg-Zimmer einladend aus: In der Mitte steht eine brennende Osterkerze, außen herum gemütliche Holzbänke mit Sitz- und Rückenkissen. Das Licht ist gedämpft und leise Meditationsmusik spielt im Hintergrund. Ähnlich entspannt und angenehm – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – war der Raum 1975 wie für ein chinesisches Teezeremoniell eingerichtet, allerdings saß man im Kreis auf dem Boden.
Die Vorgehensweise von damals zu heute war unterschiedlich. 1975 wurde vom Sonntagsevangelium ausgehend die Brücke in den Alltag geschlagen. 2010 gab der Alltag die Themen vor (z.B. Beziehungen) und Psalmen oder Bibelstellen gaben dazu bereichernde Anstöße.
Alles in allem waren die Frühschichten in Pasing ein erfolgreiches Projekt, um das spirituelle Profil der Jugendstelle zu schärfen. Wir genossen es, uns in unterschiedlich zusammengesetzter Runde, über kleine und große Lebens- und Glaubensthemen nicht nur auszutauschen, sondern auch gemeinsam zu beten und so „fitter“ in den Tag zu starten.
Was als ein Versuch begann, sich selbst im Sabbatjahr 2010 einen Rahmen zum Innehalten zu geben, wurde für uns zu einer echten Bereicherung.
Ein Unterschied zwischen 1975 und heute gibt uns allerdings nach wie vor zu denken. Früher stärkte man sich gleich zu Beginn mit Kaffee und Broten, 2010 wird erst nach der Frühschicht gemeinsam gefrühstückt...
Diesen und weitere Berichte finden Sie auch in unserem JugendstellenBlog
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